Unser bester Wellblech-Werbeträger wird 70

Wellblech hat als Baustoff nicht den allerbesten Ruf. Das liegt an den vielen Spielfilmen über Afrika und den Wilden Westen in den USA. Hier wurde Wellblech in seiner einfachsten Form massenhaft verbaut. Es war der am einfachsten herzustellende und zu transportierende Baustoff, mit dem man eine Hütte oder ein Siedlerhaus dicht bekommen konnte. Das drückte sich natürlich auch im Preis aus. Wie oft haben Sie schon das Stichworte „Billige Wellblechhütten“ oder „Armselige Wellblechhütten“ gehört? Modernes Wellblech ist da natürlich etwas ganz anderes. Ordentlich verzinkt und mit Polyester überzogen ist das heute ein stabiler Baustoff, der nicht nur beim Hallenbau Verwendung findet. Auch Architekten aus aller Welt setzen Wellblech mit großem Erfolg als stilgebenden Baustoff ein, der Innenwände und Außenwände schützt und ziert. Dabei kommt ihnen natürlich die breite Farbpalette zu Gute, in der man heute das Wellblech kaufen kann. Allerdings sind die heutigen Architekten sicherlich nicht die ersten, die die Schönheit der Wellenlinie beim Wellblech zu schätzen wissen. Das Thema ist vielmehr bereits mindestens 70 Jahre alt. Erinnern Sie sich noch an die alte Tante Ju? Dieses alte Propellerflugzeug war seinerzeit ein großer Erfolg, und die Menschen liebten sie wegen ihres Aussehens. Das lag natürlich auch am Wellblech, mit dem dieser Flieger leicht und stabil gestaltet war. Noch heute fliegt sie ihre Runden rund um München und bekommt viel Zulauf.

Ein wirklich schickes Auto aus Wellblech?

Die Rede ist heute aber von einem anderen Wellblech-Vertreter. Wir kennen ihn alle aus den alten Kommissar Maigret Filmen und den französischen Filmen der 50er und 60er Jahre. 70 Jahre wird er alt dieser Tage, der großartige Citroen Typ H. Dieser Bus oder Transporter war ein typisches Kind seiner Zeit. Ganz Europa war schwer gebeutelt vom Krieg. Baustoffe waren knapp und teuer. Wer mit seinen Produkten erfolgreich wollte, musste sie billig bauen und sehr vielfältig im Einsatz gestalten. Diese Aufgaben erfüllte der Wellblech-Transporter Typ H einwandfrei. Wohl kaum ein Wagen ist in so viele Rollen geschlüpft wie der pfiffige Franzose. Vorgestellt auf dem Pariser Autosalon von 1947 trat er seinen Siegeszug an. Er galt als äußerst robust und stabil. Sein Motor war derart simpel gebaut, dass man ihn praktisch überall vor Ort selbst reparieren konnte. Und das Wellblech zum Ausbessern seiner Aufbauten gab es auch überall.

Vielseitiges Wellblech

In Frankreich selbst, aber auch in den asiatischen und afrikanischen Ländern war der Wellblech-Bully unterwegs, sowohl öffentlich wie auch privat. Er diente unter anderem als

Feuerwehrwagen aus Wellblech
– Krankenwagen
– Postauto
– Autotransporter
– Rollendes Labor
– Wohnwagen
– Planwagen
– Niederflurhubfahrzeug
– Kühlwagen
– Tiertransporter
– Großraum-Taxi
– Bestattungsfahrzeug

Sie sehen, der Fantasie im Umgang mit dem Wellblech waren keine Grenzen zu stecken. Viel Karosseriebauer in Frankreich und Deutschland hatten sich sogar darauf spezialisiert, den Wagen ganz nach den individuellen Bedürfnissen seiner Halter umzubauen. So konnte man die Höhe des Wellblech-Aufbaus verändern, die Karosserie verlängern oder eine Doppelpritsche daraus gestalten. Tatsächlich war der Wagen auch mit seinen vielen unterschiedlichen Motorisierungen so beliebt, dass er bis 1981 gebaut wurde. Am 14. Dezember des Jahres lief der letzte Citroen Typ H vom Band. Bis zu dem Zeitpunkt war dieser Transporter mit dem schicken Aufbau aus Wellblech immerhin 483.303 Mal gebaut und verkauft worden. Selbst in den Niederlanden und Belgien hatte es Standorte gegeben, die den Citroen herstellten.

Teures Wellblech

Noch heute reißen sich viele Liebhaber um dieses wohl schönste Produkt aus Wellblech. Wenn Sie sich heute so einen Wagen als Oldtimer zulegen möchten, müssen Sie aber entweder ein guter Bastler oder ein guter Verdiener sein. Schrottreife Modelle gibt es auf dem Markt ab 5000 Euro zu kaufen. Für gepflegte, rostfreie und fahrbereiten Typ H sind Sie auch schon Mal mit 50.000 Euro dabei. So zumindest steht es in den Anzeigen. Ob wirklich jemand so viel für Wellblech mit Motor zahlt, steht in den Sternen.